Research Teaching Talks

The Publication as Medium for Exhibitions in the 1960s and 1970s

[Abstract in German]

Das Aufkommen der Konzeptkunst geht mit einer radikalen Transformation künstlerischer Produktion einher. Zahlreiche Arbeiten etwa von Hanne Darboven, Jan Dibbets, Christine Kozlov, Sol LeWitt, Lawrence Weiner und anderen basieren ab den 1960er-Jahren vor allem auf Sprache und visuellen Systemen. Diese Akzentverschiebung vom Material zur Idee kennzeichnet nicht nur die damalige künstlerische Produktion, sie führt auch zu einer grundlegenden Veränderung der Parameter in der Ausstellung von Kunst. Durch ihre vermeintlich „dematerialisierte“ Form [Lippard/Chandler 1968] begünstigen die Arbeiten der 1960er- und 1970er-Jahre eine Präsentation in alternativen, nicht an das institutionelle Kunstsystem gebundenen Formaten. Insbesondere Bücher, Magazine und Ephemera ersetzen dabei herkömmliche Ausstellungsdisplays und provozieren in Folge eine Neudefinition im Verhältnis von Publikation und Ausstellung.

„Rather than running for three weeks, the show ran for one hundred and seventy-five pages“ beschreibt Alexander Alberro eines der bekannten Ausstellungsprojekte, das Ende der 1960er-Jahre als Publikation realisiert wurde [Alberro 2003, 135]: Für The Xerox Book (1968) lädt der New Yorker Kunsthändler Seth Siegelaub eine Gruppe von Künstlern ein, an einer Ausstellung in Form eines fotokopierten Buchs teilzunehmen. Auf je 25 Seiten loten diese die Möglichkeiten der Präsentation ihrer Arbeiten im Medium der Publikation aus und beziehen auf sehr unterschiedliche Weise die Technik der Xerografie konzeptuell in ihre Beiträge ein. Anstatt wie bisher Galerieräume in New York anzumieten, definiert Siegelaub die Publikation, von der er sich maximale Verbreitung und eine möglichst „neutrale“ Ausstellungssituation für die Künstler verspricht, als einzigen Präsentationsrahmen dieser Gruppenausstellung [Siegelaub 1969].

Projekte wie dieses sind ohne Kontextualisierung formal nur schwer von Ausstellungskatalogen und Künstlerbüchern zu unterscheiden. Das Ziel meines Promotionsvorhabens besteht darin, prägnante Beispiele von Publikationsausstellungen der 1960er- und 1970er-Jahre erstmals primär als ausstellungshistorisch relevantes Phänomen zu betrachten und Spezifika der Publikationsausstellungen aus produktions- und aus rezeptionsästhetischer Perspektive herauszuarbeiten. Die Untersuchung erfolgt demnach über die genaue Beschreibung und Analyse der Ausstellungen. Darüber hinaus soll sie auch Erkenntnisse liefern zum Rezipient/innenkreis und der tatsächlich erzielten Reichweite und Distribution der Ausstellungen. Dazu erfolgten seit Anmeldung der Dissertationsvorhabens 2014 Forschungsaufenthalte an der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin (Nachlass Christian Chruxin), dem Niederländischen Institut für Kunstgeschichte RKD (Nachlass Art & Project), an den Smithsonian Archives of American Art (Lucy R. Lippard Papers), dem Archiv und der Bibliothek des Museum of Modern Art New York (The Seth Siegelaub Papers, Avalanche Archive), dem Ausstellungsarchiv der School of Visual Arts Gallery in New York, dem Archiv der Paula Cooper Gallery (Nachlass Douglas Huebler) und sowie dem Getty Research Institute (Harald Szeemann, David Lamelas, Lawrence Alloway, Panza und Steven Leiber Papers).