Curatorial Projects

False Sentimentale

Dec. 23–29, 2013

Kunstverein Fulda

„What’s wrong with Sentimentality?“ fragt Mark Jefferson 1983 in einem Aufsatz zum rätselhaften Wesen der Sentimentalität, die bis heute einen eher zweifelhaften Ruf genießt. Geheucheltes Gefühl, sehnsüchtiges Schwelgen und kitschige Repräsentationsästhetik prägen unser Bild vom Sentimentalen. Emotionshungrig und schwermütig weist es, endlos um sich selbst kreisend, auf das, was war. Doch im Gegensatz zur überspannten Vergangenheitsbeschwörung umschreibt das französische „sentimentale“ neutral einen Gefühlzustand, der durch Empfindsamkeit gekennzeichnet ist. Sein melancholisches Stück „Valse sentimentale“ komponiert Peter Tschaikowski 1882 nach einer Phase ausgedehnter Reisen, in einem Moment der Unsicherheit und Selbstbefragung. Die hier anklingende Kontingenz kennzeichnet auch die Position der Gegenwart, aus der acht junge Künstlerinnen und Künstler nun zurück auf ihre Zeit in Fulda blicken—der Stadt, in der sie aufgewachsen sind.